Stadtwerke Potsdam GmbH - Kiezbad Am Stern - Historie

Geschichte vom Kiezbad Am Stern

Bild: Außenansicht Kiezbad vor der Sanierung

Mit der Fertigstellung der Schwimmhalle am Luftschiffhafen gab es ab 1978 drei Schwimmhallen in Potsdam; diese sowie das Werner-Alfred-Bad (1912) und die Schwimmhalle „Am Brauhausberg“ (1971). Insgesamt verfügte Potsdam über 2.646 qm Schwimmhallen-Wasserfläche einschließlich der Nichtschwimmerbecken. Jedoch stand nur die Hälfte davon für den Potsdamer Schul- und Freizeitsport zur Verfügung. Die Schwimmhalle am Luftschiffhafen wurde (bis auf wenige Ausnahmen) nur durch den Leistungssport genutzt.

Mit dem Wachstum der Neubaugebiete Waldstadt II, Stern, Schlaatz und Drewitz stiegen die Bevölkerungszahlen in Potsdam weiter an. Die Forderungen nach einem ausreichenden Angebot an überdachter und ganzjährig nutzbarer Wasserfläche, insbesondere für den Schulsport, wurden wieder lauter.

Wie schon bei der Schwimmhalle "Am Brauhausberg" wurde bei der Planung des Freizeitobjektes wieder auf eine Standardvariante für Neubaugebiete, das so genannte „Wiederverwendungsprojekt Schwimmhalle 83 – Typ Berlin“ zurückgegriffen. Ausgerüstet mit zu dieser Zeit moderner Wasseraufbereitungstechnik verbunden mit Maßnahmen zum rationellen Energieeinsatz, entsprach dieses Schwimmhallenkonzept den Vorstellungen der Stadtplaner.

Das Schwimmbecken hatte eine Abmessung von 25 x 12,5 m und eine durchgehende Wassertiefe von 1,80 m. Es bot 5 Bahnen Platz und war über eine Treppe auch für Senioren oder behinderte Menschen nutzungsfähig. Das Projekt sah auch ein 10x6-m-Nichtschwimmerbecken vor, das über eine eigene Wasseraufbereitungsanlage verfügte, mit der in kurzer Zeit eine an die gewünschten Bedingungen angepasste Wassertemperatur erreicht werden konnte.

Zur Badewasserdesinfektion machte sich unter Berücksichtigung der örtlichen Nähe zu Schulen der Einsatz einer Bleichlaugenanlage erforderlich. Kurz nach der Wende konnte diese durch eine kostengünstigere Chorgasanlage ersetzt werden.

Vorgesehen war auch eine Solaranlage, deren Betrieb zusammen mit einer Wärmerückgewinnung aber von Beginn an Schwierigkeiten machte. Die Sonnenkollektoren waren undicht, der Stromverbrauch immens. Ersatz gab es nicht.

Baustelle 1988

Die schwierige Baustoffsituation bewirkte unterschiedliche Bauphasen. Obwohl bereits 1986 mit dem Bau begonnen wurde, dauerte die Fertigstellung mehr als zwei Jahre. Auf Zeiten, wo mit großem Elan gearbeitet werden konnte, folgten solche der Ruhe. Die bauausführenden Betriebe, vor allem das Wohnungsbaukombinat und der VEB Technische Gebäudeausrüstung wurden immer wieder auf „wichtigere“ Baustellen umgesetzt. Wenn notwendig, wurde das notwendige Material auch von der Schwimmhallen-Baustelle „ausgeborgt“.

So entstanden auch hier teilweise Baumängel, mit denen wir uns bis in die heutige Zeit auseinandersetzen müssen. Beispielsweise lag das große Becken einige Jahre ungeschützt auf der Baustelle, dadurch war es lange Zeit auch nach mehreren Versuchen der Sanierung nicht völlig dicht zu bekommen. 1988 wurde endlich Druck gemacht: laut „Parteiauftrag“ sollte die Fertigstellung unbedingt erfolgen. Die Baustelle wurde kurzerhand zum „Ausbildungsobjekt für Maurerlehrlinge“ gemacht, fehlende technische Ausrüstung wurde „organisiert“.

Vandalismus

Mit Nachteinsätzen u.ä. wurde erreicht, dass am 23.12.1988 eine fast stille Übergabe der Schwimmhalle zur Nutzung stattfinden konnte.

Gleich im ersten Nutzungsjahr legte die Schwimmhalle den Besucherrekord vor: 249.402 Besucher wurden gezählt. Diese Zahl konnte in den Folgejahren, auch beeinflusst durch die Ereignisse der Wende, Veränderungen in der Bevölkerungs- und Preisstruktur, nicht mehr erreicht werden.

Nach der Wende hatten die Mitarbeiter der Schwimmhalle mit den Folgen von Vandalismus ihre Not. Viele Jugendliche wussten mit ihrer Freizeit nichts mehr anzufangen und randalierten fast täglich.

Bild: Innenansicht Kiezbad

Im Jahr 1993 wurden über 6 Wochen Instandsetzungsmaßnahmen zur Sanierung der Filteranlagen für die Wasseraufbereitung vorgenommen.

Einen besonderen sportlichen Höhepunkt erlebte die Halle im April 1996: der Potsdamer Schwimmstar Jörg Hoffmann stellte in 60 Minuten mit exakt 5.766 Metern einen neuen Stunden-Weltrekord auf und verbesserte die bisherige Bestmarke des Burghausener Langstreckenschwimmers Christof Wandratsch um 226 Meter.

Mit dem Übergang zur Bäderlandschaft Potsdam GmbH ab Januar 2005 erfuhr die Schwimmhalle „Am Stern“ sogleich weitere Veränderungen: sie erhielt den Namen „Kiezbad Am Stern“ und eine umfangreiche Rekonstruktion: Zum 15. Oktober 2005 wurde sie nach umfangreichen Modernisierungsarbeiten seit den Sommerferien wieder eröffnet.

In einem ersten Bauabschnitt wurde die technische Basis saniert: Wasseraufbereitung und –enthärtung wurden erneuert, Heizung und Lüftung erfolgen jetzt aus einer zentralen Anlage im Keller. Der Eingangs- und Umkleidebereich wurde neugestaltet und präsentiert sich heute in neuem Glanz: Auf rund 350 qm erweitert, mit kleinem Bistro und moderner Kassenanlage. Der Umkleide- und Sanitärbereich ist neu. Alle Einrichtungen für behinderte Menschen wurden weiter verbessert. Und die Halle selbst versetzt eine Effektbeleuchtung abends in ein neues Licht-Ambiente.

Bild zeigt das neue Schwimmbecken

Im zweiten Bauabschnitt im Jahr 2008 wurde das 25-m-Becken neu abgedichtet und gefliest. Nicht nur die neuen Wandfliesen in saharagelb und grau lassen den Raum neu erstrahlen. Das Beleuchtungskonzept bestehend aus Unterwasserschein-werfern und Effektbeleuchtung an den Wänden sorgt nun besonders in den Abendstunden für eine angenehme Stimmung. Die elektrischen Jalousien schützen die Besucher vor neugierigen Blicken von außen sowie bieten einen guten Schutz vor zu starker Sonneneinstrahlung.

Sauna im Kiezbad

Am 20. Mai 2009 wurde die neu gestaltete Sauna in Eigenregie der Bäderlandschaft Potsdam GmbH neu eröffnet. Im neuen Nassbereich erwartet die Gäste mit einer klassischen finnischen Sauna (90°C - 95°C), mit einer Dampfsauna (45°C) sowie mit einer Infrarotkabine ein vielfältiges Angebot. Nach dem Saunagang können Sie Ihren Körper im Tauchbecken oder unter der Erlebnisdusche abkühlen, ehe Sie im großzügigen Ruheraum Ihre Erholungsphase genießen können. Für die ganz Aktiven stehen mehrere Ergogeräten zur freien Verfügung. Ein neues Solarium sorgt für eine natürliche Balance zwischen Körper und Geist.

Das "Kiezbad Am Stern" bietet heute alle Standards einer modernen Schwimmhalle.

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